Es hat nicht sollen sein!

Es hat nicht sollen sein!

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Schachfreunde Erbach kämpfen aufopferungsvoll gegen das TOP-Team der Liga Wiesbaden 2 und verpassen eine Sensation knapp

 

4.3.2012 "Es hat nicht sollen sein!", kommentiert Mannschaftsführer Markus Pauly die erste Saisonniederlage der Erbacher Schachfreunde. "Wir haben einen tollen Kampf an allen 8 Brettern gesehen und Wiesbaden 2 alles abverlangt - am Ende war es äußerst knapp und es hat sich dann doch das bessere Team durchgesetzt." Mit der denkbar knappsten Niederlage von 3,5 : 4,5 gegen den souveränen Tabellenführer aus Wiesbaden verabschieden sich die Erbacher Denksportler damit aus dem Meisterschaftsrennen in der Landesklasse West, da sich Wiesbaden 2 mit einem Vorsprung von nun drei Punkten auf die Verfolger kaum mehr den Titel nehmen lassen dürfte. 

Schon im Vorfeld der Begegnung war klar, daß es für Erbach sehr schwer werden wird, gegen eine Mannschaft mit Hessenliga-Niveau zu bestehen oder gar einen Sieg zu ergattern. Nachdem dann noch Uli Bischoff und auch Gerhard Jung aufgrund privater Verpflichtungen absagen mussten, griff der Mannschaftsführer ganz tief in die Ersatzspieler-Trickkiste und nominierte mit den Schachfreunden Guntram Althoff (dieses Mal an Brett 7) und Martin Launert (an Brett 8) zwei Spieler, die beide über reichhaltige Erfahrung und über die notwendige Spielstärke verfügen. Interessant war im Vorfeld die Berechnung der einzelnen Gewinnwahrscheinlichkeiten an jedem einzelnen Brett (abgeleitet von den jeweilign DWZ Unterschieden): aufsummiert würde Erbach gegen Wiesbaden 2 rein statistisch 2,3 : 5,7 verlieren - also lag eine "Klatsche" in der Luft!

 

Hendrik Aßmann bringt Erbach 1:0 in Führung und sorgt
damit für die erste faustdicke Überraschung!

Wiesbaden 2 hatte sich vorgenommen Erbach klar zu schlagen und trat mit der bestmöglichen Mannschaft an. Nichts desto trotz gelang den Gastgebern die erste faustdicke Überraschung durch Hendrik Aßmann. Nach nur zwei Stunden Spielzeit hat Hendrik (mit den schwarzen Steinen spielend) seinen starken Gegenspieler zu einem Springeropfer verleitet, daß sich als schlecht herausstellte und den Gegner in einer hoffnungslosen Stellung zurückließ. Die Aufgabe der Partie war danach nur konsequent, und Erbach führte bereits zu Beginn sensationell mit 1:0. Nachdem dann auch Ersatzmann Martin Launert mit Weiß die Caro-Kann Verteidigung seines Gegners sauber behandelte und die Partie in den sicheren Remishafen steuerte, sah es exzellent für die Gastgeber aus - und Wiesbaden wurde sichtlich nervös. Erbach führte mit 1,5:0,5. Mit dieser Führung hatte sicher niemand gerechnet - am wenigsten wohl die Gäste aus Wiesbaden.

Die Schachfeunde aus Erbach witterten Morgenluft. Obwohl Heiko Marzahn an Brett 2 aus der Eröffnung mit zwei Minusbauern herauskam und schlecht stand, sah es insgesamt für Erbach dennoch ganz positiv aus. Kein Erbacher stand ansonsten schlecht, sondern ganz im Gegenteil: die Partien sahen insgesamt recht vielversprechend aus! Die Lage spitzte sich jedoch zur 1. Zeitkontrolle nach knapp vier Stunden mächtig zu. Eric Simon übersah in seiner Partie einen schönen Konter, der ihm durchaus gute Chancen auf ein Remis (oder mehr) eingeräumt hätte und verlor kurz darauf, während Janek Elkmann am Spitzenbrett seine erste Saisonniederlage gegen den Wiesbadener Top-Spieler quittieren mußte, trotz gutem und teils respektlosen Spiels, daß ein Remis verdient gahabt hätte. Auch bei Heiko ging am Ende nichts mehr. Seine Angriffsbemühungen wurden vom Wiesbadener kühl abserviert, die Niederlage war trotz großartigem Kampf nicht mehr abzuwenden. Durch diese "lange Rochade" (drei Niederlagen in Folge) hat sich der Wettkampf zugunsten der Gäste gedreht: es stand 1,5 : 3,5 aus Sicht der Rosenstädter.

Aber es war noch nicht vorbei! Mit Markus Pauly an Brett 3, Stefan Friedel an Brett 6 und Guntram Althoff an Brett 7 waren noch drei Eisen im Feuer, die Erbach noch hoffen ließ. Stefan Friedel sorgte dann ruhig und konsequent für die zweite faustdicke Überraschung und gewann seine Partie zum 2,5 : 3,5 "Anschlußtreffer". Das Endspiel mit zwei Mehrbauern war natürlich klar gewonnen, jedoch endete die Partie mit einem sehenswerten Mattbild. Nun hing es an Markus und Guntram, wie dieser Wettkampf ausgehen würde.

Markus spielte mit schwarz eine interessante Eröffnung, die mit einem zeitweiligen Bauernverlust gegen Figurenaktivität verbunden war. Dies sorgte beim Gegner für langanhaltendes Nachdenken und die Minuten tickten nur so dahin, während Markus sich ein schönes Zeitpolster aufbauen konnte. Für den Gast aus Wiesbaden kam es dann wie erwartet zu einem echten Zeitnotduell, ein wirklich grober Patzer blieb jedoch aus. Nach beendeter Zeitnot und nachdem sich der Staub gelegt hat war klar: materiell war die Stellung wieder ausgeglichen, weiß hatte jedoch einen Freibauern auf dem Damenflügel, den es zu stoppen galt. Am Ende ist es dem Mannschaftsführer gelungen, das Remis zu halten (wenn auch etwas glücklich) - ein Sieg war in dieser Partie jedoch nicht mehr möglich. Zwischenstand: 3 : 4. Der unbedingt nötige Sieg war damit für Erbach nicht mehr möglich.

Verbleibt am Ende noch Ersatzmann Guntram Althoff an Brett 7. In schwieriger Stellung mit objektiv wohl bestenfalls Remis-Chancen und in anbetracht der Lage, daß Erbach nur ein Sieg im Rennen um die Meisterschaft wirklich genützt hätte, bot er seinem Gegner Remis an, welches dieser sofort annahm. Damit war der Mannschaftskampf entschieden: die Gäste aus Wiesbaden setzten sich am Ende denkbar knapp mit 4,5 : 3,5 durch.

Die Einzelergebnisse im Überblick:

Brett Erbach 1 vs. Wiesbaden 2 Ergebnis
1 Janek Elkmann - Jens Gottschalk 0:1
2 Heiko Marzahn - Felix Kayser 0:1
3 Markus Pauly - Frank Mayer 1/2
4 Dr. Eric Simon - Dr. Daniel Wichmann 0:1
5 Hendrik Aßmann - Wolfgang Traudes 1:0
6 Stefan Friedel - Andreas Kuhn 1:0
7 Guntram Althoff - Joachim Doehring 1/2
8 Dr. Martin Launert - Thomas Böhmer 1/2

"Ein Kompliment an die gesamte Mannschaft! Es wurde um jeden Punkt hart gekämpft und ein Klassenunterschied, wie er von der Papierform her zu erwarten gewesen wäre, war nicht erkennbar. Jetzt gilt es in den verbleibenden zwei Begegnungen mit Taunusstein und Bad Marienberg wenigstens die Saison gut zu Ende zu bringen und zumindest den 2. Tabellenplatz zu erreichen.", fasst Mannschaftsführer Markus Pauly das Spielergebnis zusammen.

Das nächste Spiel findet am 29. April in Taunusstein statt. Lokalderbys haben immer ihren besonderen Reiz - es wird auch hier sicher spannend werden und der Aufsteiger aus der Bezirksoberliga ist schon für die ein oder andere Überraschung in dieser Saison gut gewesen!

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