Am letzten Sonntag wartete in der 2. Runde der Verbandsliga Süd mit der VSG Offenbach 1 eine ganz harte Nuss auf die Erbacher Schachsportler. Mit gleich zwei Fidemeistern (FM) an den vorderen Brettern (bzw. drei Spielern mit einer DWZ um die 2200) und einem DWZ Schnitt laut Meldung von 2062 war ein harter Wettkampf zu erwarten. Im Gegensatz zum ersten Spieltag waren aber Uli Bischoff und Dimitri Alexandrovski wieder mit von der Partie - leider war Wladimir Becker verhindert. So hatte der Mannschaftsführer Markus Pauly bereits seinen 2. Einsatz als Ersatzmann. So ging es mit dem Vorsatz nach Offenbach, dem haushohen Favoriten vielleicht doch noch ein Bein zu stellen...

Ein wenig angespannt starteten die Erbacher in den schwierigen Wettkampf - angespannt, weil Dimitri, der seine Anreise selbst organisierte ca. 30 Minuten zu spät im Spiellokal eingetroffen ist und somit bereits mit einer zeitlichen Hypothek in seine Partie starten musste. Aber ansonsten befanden sich die übrigen sieben Partien noch in ausgewogenem Fahrwasser - es war noch nichts dramatisches passiert, und das sollte noch eine ganze Weile so bleiben. Der Mannschaftsführer und Schreiber dieser Zeilen war nach wie vor optimistisch gestimmt!

Nach etwa drei Stunden Spielzeit kam es dann zu einer ersten Entscheidung an Brett 5: Andreas Kuhn erreichte gegen seinen ca. 100 DWZ-Punkte stärkeren Gegner mit Weiß ein sehr sicheres Remis nach 36 Zügen. Die Partie wurde von beiden Spielern mit einer sehr hohen Genauigkeit gespielt, so daß das Ergebnis völlig in Ordnung ging. Der Anfang war gemacht: 0,5:0,5, und Erbach war gut in den Wettkampf gestartet.

Danach geriet Erbach allerdings in eine extrem schlechte Phase. Obwohl Heiko Marzahn am ersten Brett gegen seinen Gegner seine Vorbereitung auf's Brett bekam, versäumte es Heiko an der ein oder anderen Stelle energisch(er) fortzusetzen. Dies erlaubte es seinem starken Gegner sich zusehends zu befreien und nach und nach die Initiative zu übernehmen. Natürlich ist es mental schwer zu verkraften, wenn man sich eine aussichtsreiche Position erspielt hat und erkennt, daß einem diese durch ein, zwei "zweitbeste" Züge unter den Fingern zerrinnt. Leider schaffte es Heiko nicht, den Trend zu durchbrechen - und in akuter eigener Zeitnot ging die Partie dann folgerichtig verloren.

Ein ähnliches Schicksal ereilte dann noch zu allem Überfluss Hendrik Aßmann an Brett 7. Mit Weiß erreichte er gegen die Französische Verteidigung seines Gegners eine ordentliche und optisch sehr vielversprechende Position. Leider "vergaloppierte" Hendrik sich in seinen Angriffsbemühungen und musste nach einem schön vorgetragenen Gegenangriff seines Gegners doch überraschend die Segel streichen. So ging Offenbach bereits 2,5:0,5 in Führung. Den Mannschaftsführer erinnerte das schon ein wenig an die Erfahrungen aus dem Auftakt-Match gegen Frankfurt. Sollte es so weitergehen?

Zum Glück kamen nun aber auch die Erbacher Denksportler zu ihren ersten vollen Zählern in der Saison! Mit einem sehr souverän herausgespielten Weißsieg von Frank Schmidt - auch hier wurde die Französische Verteidigung serviert - kamen die Rosenstädter wieder auf 1,5:2,5 heran. Als sich dann Eric Simon an Brett 6 in beiderseitiger Zeitnot aus schwieriger Lage befreien konnte und einen etwas glücklichen vollen Punkt erzielte, war sogar plötzlich der Ausgleich wieder hergestellt! Die Rosenstädter witterten Morgenluft: fünf Partien waren entschieden und alles noch offen.

Zu diesem Zeitpunkt waren also noch drei Partien in vollem Gange: an Brett 2 kämpfte Uli Bischoff mit einem Mehrbauern und zwei Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfigur seines Gegners (also Bauer gegen Qualität) noch um ein Remis - mehr war aus Erbacher Sicht in dieser Partie nicht mehr zu erwarten, und das sollte schon schwer genug sein. Unser Neuzugang Dimitri Alexandrovski hatte an Brett 4 neben seinem Zeitdefizit über lange Strecken eine schlechte Stellung zu verwalten, was ihm aber zusehends besser gelang. Jedenfalls spielte der ursprüngliche Zeitnachteil durch die Verspätung keine allzugroße Rolle mehr - sein Gegner hat seinerseits viel Zeit in die Partie investiert. Die Partiestellung war allerdings hoch-kompliziert mit vielfältigen Möglichkeiten für beide Seiten. Aber hier waren noch alle drei Ergebnisse (1 - 1/2 - 0) möglich. Am 8. Brett spielte der Berichterstatter mit Schwarz einen geschlossenen Sizilianer und hatte sich bereits leichte positionelle Vorteile erarbeitet. Es war also noch alles drin - es fehlen lediglich 1,5 Punkte zum VierVier - und auch ein doppelter Punktgewinn war durchaus noch möglich (wenn auch wohl nur durch Mithilfe der Gegner zu bewerkstelligen...).

Leider hat es am Ende nicht gereicht. Uli konnte an Brett 2 das Endspiel gegen seinen starken Gegner nicht halten und gab seine Partie im 60. Zug auf. Offenbach ging also wieder in Führung: 3,5:2,5. Am vierten Brett deutete sich allerdings eine Sensation an: Dimitri schaffte es doch tatsächlich sich aus einer nahezu aussichtlosen Situation zu befreien und stand im 37. Zug - also kurz vor der Zeitkontrolle - tatsächlich auf Gewinn! Leider verdarb er diese Chance genau einen Zug später wieder und nach einem weiteren wechselhaften Partieverlauf (wohl bedingt durch beiderseitige Zeitnot) war die Partie wieder ausgeglichen. Sehr schade für Dimitri war jedoch, daß er nach dieser überstandenen Drucksituation die Partie dann doch noch einzügig einstellte. Ein unschönes Ende für diesen Krimi! Hier wurden die Sekt- und Rosenstädter nicht für ihre Mühen belohnt: Offenbach geht mit 4,5:2,5 in Führung und hat den Wettkampf somit gewonnen.

An Brett 8 konnte sich der Mannschaftsführer Markus Pauly in der Zwischenzeit eine deutlich bessere Stellung erarbeiten und hatte sogar die ein oder andere Gewinnmöglichkeit liegengelassen. In Anbetracht des Mannschaftsergebnisses einigte sich Markus mit seinem Gegner auf ein Remis. Damit ging der Wettkampf insgesamt mit 3:5 verloren.

"Das war heute eine deutlich stabilere Vorstellung unserer 1. Mannschaft als noch gegen Frankfurt am 1. Spieltag.", kommentierte Mannschaftsführer Markus Pauly den Wettkampf. "Wir hatten heute gute Chancen dem Favoriten ein Bein zu stellen - aber die sich bietenden Chancen haben wir leider nicht konsequent genutzt. Der Trend spricht aber für uns: wir haben die ersten Partiegewinne auch gegen deutlich stärkere Gegner zu verzeichnen und uns gegen Offenbach hervorragend verkauft." Aus Offenbacher Sicht war das vermutlich nicht der erhoffte Sonntagsspaziergang.

In knapp vierzehn Tagen, am Sonntag den 10. November 2019, erwarten die Schachfreunde Erbach e.V. die Schachfreunde aus Flörsheim zum ersten Heimspiel der Saison. Flörsheim konnte bislang einen hohen Sieg (gegen Bad Soden) einfahren, hat es aber am aktuellen Spieltag heftig gegen unseren Gegner aus der ersten Runde erwischt: Flörsheim verlor die Begegnung gegen Frankfurt sogar 1:7. Um das angestrebte Ziel Klassenerhalt zu schaffen, müssen natürlich langsam die ersten Zähler eingefahren werden - vielleicht gelingt dies ja anl. unseres ersten Heimspiels?! Zuschauer sind natürlich wie immer herzlich willkommen!


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